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Erinnerungen an Jörg Zink
Wiese im Morgengrauen

Gemeinfrei via pixabay.com (Alfred Derks)

Über die Sendung:

Der evangelische Theologe und Publizist Jörg Zink war eine der prägenden religiösen Stimmen der letzten fünf Jahrzehnte. Zeitlebens hat er daran gearbeitet, biblische und  theologische Motive zeitgenössisch auszulegen. Kraftvolle Spiritualität und politisches Engagement gingen bei ihm Hand in Hand. Vor einem Jahr, am 9. September 2016, ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

 
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„Wenn ich einmal gestorben bin – so denke ich mir –,

betrete ich einen Raum,

der mir bis dahin fremd war,

den ich aber glaube.

Er war „jenseitig“ und wird im Tod

und in der Auferstehung zu „meiner Welt“.

 

Im Tode geschieht nichts anderes

als hier schon bei jeder neuen Einsicht:

Meine Welt wird weiter.

Mein Diesseits wird größer.

 

Vieles wird mir auch dann noch verborgen sein.

Aber mein Blick wird tiefer dringen

in das Geheimnis Gottes,

tiefer in das Geheimnis seiner Welt

und auch in das Geheimnis,

das ich mir selbst bin.“ (1)

 

Mit dieser mystischen Aussicht blickt einer über den Horizont seines Lebens hinaus: Jörg Zink, der evangelische Theologe und Publizist, eine der prägenden religiösen Stimmen der letzten fünf Jahrzehnte. Seine Familie hat diesen Text in die Todesanzeige gesetzt: Gestern vor einem Jahr, am 9. September 2016, ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.

 

Wie kaum ein anderer hat Jörg Zink zeitlebens versucht, biblische Botschaften und grundlegende theologische Fragen auf Kirchentagen und in den Medien für ein breites Publikum verständlich zu übersetzen und immer wieder überraschend zu beleuchten.

 

An diesen spirituell kraftvollen und politisch engagierten Christenmenschen will ich heute erinnern. (2)

 

Jörg Zink wird am 22. November 1922 geboren auf dem hessischen Habertshof bei Schlüchtern, einer evangelischen Landkommune, die sein Vater Max, ein jugendbewegter, vegetarischer Gärtner nach dem ersten Weltkrieg gemeinsam mit seiner Frau Maria gegründet hat und in der sie versuchen, ein Leben nach urchristlichem Vorbild weitgehend ohne eigenen Besitz zu gestalten.

 

Früh – noch als kleines Kind – verliert er zuerst die Mutter und dann den Vater und wächst bei verschiedenen Verwandten, Großeltern und der zweiten Frau seines Vaters im Schwäbischen auf.

 

Nach dem Abitur 1940 wird er während des zweiten Weltkriegs bei der deutschen Luftwaffe als Bordfunker ausgebildet. 1944 wird er über dem Atlantik abgeschossen und wie durch ein Wunder gerettet. Kurz vor Ende des Krieges noch zum Piloten für die ersten Düsenflugzeuge ausgebildet, gerät Jörg Zink in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kann Weihnachten 1945 heimkehren. Von einer akuten Tuberkulose wird er geheilt.

 

In der Nachkriegszeit studiert er Philosophie und evangelische Theologie in Tübingen. Nach Ende des Studiums (1950) heiraten Jörg Zink und Heidi Daur. Später wird er mit seiner geliebten Frau eine ganze Reihe von elementarpädagogischen Büchern für Kinder und Eltern veröffentlichen – etwa „Kriegt ein Hund im Himmel Flügel? (1972) oder die Kinderbibel „Der Morgen weiß mehr als der Abend“ (1981).

 

Nach dem Vikariat in Stuttgart lehrt er am Tübinger Stift, während er seine Doktorarbeit bei Helmut Thielicke in Hamburg zum Thema „Der Kompromiß als ethisches Problem“ (1955) vorbereitet, anschließend arbeitet er als Gemeinde- und Jugendpfarrer in Esslingen am Neckar.

 

 

 

Eine erste persönliche Erinnerung:

Der Name Jörg Zink ist mir Anfang der 60er Jahre zum ersten Mal begegnet. Ich hatte als Jugendlicher in meiner Pfadfindergruppe eine Bibelarbeit übernommen und war in der Bibliothek des Gemeindehauses auf eine Mitarbeiterhilfe gestoßen: „Das biblische Gespräch. Anleitung zur Auslegung biblischer Texte, die Jörg Zink 1960 im Burckhardthaus-Verlag Gelnhausen herausgegeben hatte. (3)

 

Seine kreativen und dialogischen Zugänge zur Bibel sprachen mich direkt an und halfen uns in der Gruppe, sensibel für die alten Texte zu werden, uns lebensnah und phantasievoll damit auseinanderzusetzen.

 

Damals, 1957-1961, ist Jörg Zink Leiter des Burckhardthauses in Gelnhausen, der damaligen evangelischen Zentrale für Jugend-, Kultur- und Sozialarbeit, die mit ihrem zweiten Standbein in Berlin auch über die sog. „Zonengrenze“ hinaus Kontakte in die damalige DDR unterhält.

 

In diesem Kontext macht Zink immer wieder die Erfahrung, dass Jugendliche kaum noch Zugang zur Sprache der Luther-Bibel finden. So beginnt er biblische Texte zu übersetzen. Die Bibel soll wieder aufgeschlagen werden, lesbar und verständlich sein, ohne Vorkenntnisse ein zugängliches „Buch für alle“, so wie sie von Anfang an gemeint war.

 

Einen ersten großen Schritt in dieser Richtung vollzieht Zink 1963 mit dem Buch „Womit wir leben können. Das Wichtigste aus der Bibel in der Sprache unserer Zeit“. Darin hat er für jeden Tag des Jahres Texte ausgewählt und weitgehend neu übersetzt, da stehen wörtliche Übersetzungen neben Übertragungen oder „Umschreibungen“, es finden sich aber auch „freie Wiedergaben“, etwa der Psalmen.

 

Damit bereitet Jörg Zink seine umfassenden „Übertragungen“ der Bibel vor, zuerst 1965 das Neue Testament. Es ist der Versuch eines dritten Weges zwischen einer wörtlichen Übersetzung und einer freien Nachdichtung. (4) Für diese Art der Übersetzung wird er nachdrücklich angefeindet: Ein „Sakrileg an Luthers prägender Sprache“ wirft man ihm vor. (5)

 

Sein dritter Weg der Übertragung „schließt den alten Text mit Hilfe freier Wendungen auf, umschreibt schwierige Wörter durch ganze Sätze, lockert dichte Formulierungen auf und fügt kurze Erklärungen in Klammern bei.“

 

In seiner später ausformulierten Fassung des bekannten Aaronitischen Segens macht Jörg Zink das besonders deutlich:

Jörg Zink:

Gott, der Ursprung

und Vollender aller Dinge,

 

segne dich,

gebe dir Glück und Gedeihen

und Frucht deiner Mühe,

 

er behüte dich,

sei dir Schutz in Gefahr

und Zuflucht in Angst.

 

Er lasse leuchten sein Angesicht über dir,

wie die Sonne die Erde wärmt

und Freude gibt dem Lebendigen,

 

und sei dir gnädig.

Er löse dich von allem Bösen

und mache dich frei.

 

Er sehe dich freundlich an,

er sehe dein Leid,

er heile und tröste dich.

 

Er gebe dir Frieden,

das Wohl des Leibes

und das Heil der Seele.

 

Diese Art von persönlich gefärbtem Gespräch mit dem Leser – Zeile für Zeile, dicht am Wortlaut des biblischen Textes -, soll keine wissenschaftliche oder kirchenamtliche Ausgabe ersetzen, aber möglichst den Zugang zu einer wörtlichen Übersetzung erleichtern.

 

1966, schon ein Jahr später, führt Jörg Zink das Projekt weiter: Er versteht „Das Alte Testament“ als „einziges, großes Bekenntnis“ und ordnet seine Auswahl der Texte in geschichtlicher Folge an. Diese andere Anordnung versteht er als „Brücke“ für den Anfänger, die Geschichte Gottes mit den Menschen nachzuvollziehen.

 

An diesen Übertragungen arbeitet Jörg Zink ein Leben lang weiter, bis zu einer letzten Gesamtausgabe der sogenannten Jörg Zink-Bibel, die 2012 zu seinem 90. Geburtstag erscheint. (Die Bibel, neu in Sprache gefasst von Jörg Zink. Kreuz Verlag, Freiburg i.Br.)

 

Vom Burckhardthaus in Gelnhausen zieht Jörg Zink 1961 mit seiner Familie nach Stuttgart, dort übernimmt er für fast zwanzig Jahre die Stelle eines Fernsehbeauftragten der Württembergischen Landeskirche im Süddeutschen Rundfunk und entwickelt neue Ideen im Umgang mit den Medien. Über hundert Mal spricht er das „Wort zum Sonntag“. Auf zahlreichen Reisen in den Nahen Osten erweist er sich als kreativer Produzent von Dokumentarfilmen oder gestaltet als meditativer Autor Diaserien zur Christlichen Kunst durch die Jahrhunderte. Nicht zuletzt seine über vier Jahrzehnte gut besuchten Bibelarbeiten – zuerst in Stuttgart 1969 – machen ihn zu einer prägenden Gestalt der Evangelischen Kirchentage. Seine Anstöße zu einer neuen Begegnung mit der Gestalt Jesu und zu elementaren Fragen des Glaubens und Handelns sprechen ein großes Publikum an.

 

All das trägt zu seinem publizistischen Erfolg als theologischer Schriftsteller bei. Am Ende seines Lebens kann er auf mehr als 200 Bücher zurückblicken, in einer Millionenauflage, übersetzt in viele Sprachen.

 

 

 

In den 70er und 80er Jahren wird Jörg Zink zum maßgeblichen Inspirator der Friedens- und Ökologiebewegung. „Gottes wahrer Grüner“, so wird er als Gründungsmitglied der Grünen genannt. (6) Ein Jahr vor seinem Tod wird ihm von Winfried Kretschmann, dem Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, der Ehrentitel eines „Professors“ verliehen, weil er entscheidend dazu beigetragen habe, dass „aus einer Protestbewegung eine ernstzunehmende politische Kraft in der Mitte der Gesellschaft geworden“ sei.

 

Eine zweite persönliche Erinnerung verbindet sich mit Jörg Zink im Rahmen des Konziliaren Prozesses für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.

 

Mitte der 70er Jahre versuche ich bei einer Freizeit mit Jugendlichen die Brot für die Welt-Aktion „einfacher leben – einfacher überleben“ umzusetzen. Dabei arbeiten wir mit einem Text-Plakat: „Die letzten sieben Tage der Schöpfung“ (1973). Es geht zurück auf seine Rede auf der großen Anti-Atom-Demonstration in Stuttgart 1970.

 

Auf charakteristische Weise greift Jörg Zink in diesem provokativen Text (7) auf tradierte christliche Grundtexte zurück und stellt sie in einen neuen überraschenden Kontext:

 

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Aber nach vielen Jahrmillionen war der Mensch endlich klug genug. Er sprach: Wer redet hier von Gott? Ich nehme meine Zukunft selbst in die Hand. Er nahm sie, und es begannen die letzten sieben Tage der Erde.

 

Am Morgen des ersten Tages

beschloss der Mensch, frei zu sein und gut, schön und glücklich. Nicht mehr Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch. Und weil er etwas glauben musste, glaubte er an die Freiheit und an das Glück, an Zahlen und Mengen, an die Börse und den Fortschritt, an die Planung und seine Sicherheit. Denn zu seiner Sicherheit hatte er den Grund zu seinen Füßen gefüllt mit Raketen und Atomsprengköpfen.“

 

In dieser Logik kehren sich die biblischen Schöpfungstage um: Die Tiere und Pflanzen sterben, auch die Menschen gehen zugrunde und drücken schließlich den roten Knopf. Das Licht geht aus …

 

„Am siebten Tage

war Ruhe. Endlich. Die Erde war wüst und leer, und es war finster über den Rissen und Spalten, die in der trockenen Erdrinde aufgesprungen waren. Und der Geist des Menschen irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos. Tief unten in der Hölle aber erzählte man sich die spannende Geschichte von dem Menschen, der seine Zukunft in die Hand nahm, und das Gelächter dröhnte hinauf bis zu den Chören der Engel.“

 

 

Mehr als 20 Jahre nach diesem Text bezeichnet Jörg Zink in seiner Autobiographie diese vielfach zitierte mögliche Zukunftsperspektive als einen „frivolen“ Versuch. Damit wollte er dem als tödlich empfundenen Ernst der damaligen Situation Ausdruck verleihen und Menschen wachrütteln, „auf dass die Welt und die Menschen nicht veröden“. Rückmeldungen im Internet bescheinigen diesem Text übrigens bis heute eine groteske Nähe zur Wirklichkeit.

 

Den Zusammenhang von Glauben und Handeln, von Beten und Arbeiten bestätigt Jörg Zink, indem er 1972 – zusammen mit anderen Familien – die ländliche Jugendfarm „Haldenwiese“ in Möhringen bei Stuttgart gründet, die weitgehend in Eigenverantwortung von den Jugendlichen organisiert wird. Dort leben Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung im Kontakt mit Pferden und anderen Tieren. So können sich Teilhabe und Partizipation, Inklusion im Alltag gestalten und entwickeln.

 

Und so wird für ihn auch ein Stück von jenem biblischen Traum Wirklichkeit: Menschen kommen in aller Unterschiedlichkeit zusammen und lernen miteinander leben – gastfrei und offen, in Frieden. Im Segen.

 

Jörg Zink:

Und so sollen im Namen des Friedens,

der aus Gott ist, gesegnet sein

die Völker aller Rassen,

die Menschen aller Länder.

 

Es sollen gesegnet sein

Himmel und Erde,

Wolf und Lamm, Falke und Taube.

 

Es sollen gesegnet sein

Freund und Feind,

damit sie Brüder werden

und Schwestern.

 

Es sollen gesegnet sein

Schwarze und Weiße,

Menschen aus West und Ost,

damit sie Frieden schließen

und Freundschaft, ein für allemal.

 

So gesegnet lässt sich weitergehen und weitersehen, da wird das Herz weit und der Kopf frei, da füllen sich die leeren Hände, da ist Boden unter den Füßen.

 

 

 

Eine dritte persönliche Erinnerung…

Zum Ende meines Theologiestudiums bekomme ich 1971 von meiner späteren Frau ein Gebetbuch geschenkt, Jörg Zinks „Wie wir beten können“ (1970/ Neuausgabe 2015). Diese Einladung und Einweisung ins Beten – ein Leben lang – vergegenwärtigt eine „Frömmigkeit“, die, so der Autor, „mit allem zu tun (haben) will, das uns angeht. Sie unterscheidet nicht zwischen weltlich und geistlich. Sie hat mit dem zu tun, was in den vier Wänden unseres eigenen Gewissens geschieht, ebenso wie mit dem, was sich vor unserer Tür oder am anderen Ende der Welt abspielt.“ (8)

 

Diese Einsicht ist mir wichtig geworden, Tag für Tag einfach vor Gott und den Menschen „da“ zu sein und mit Herz und Verstand zu beten und zu arbeiten.

 

In dieser Linie hat Jörg Zink auch seine Bibelarbeiten und Inszenierungen verstanden, die er gemeinsam mit Hans-Jürgen Hufeisen über viele Jahre auf Kirchentagen gestaltet hat. Daraus ist 1992 der vielschichtige Impuls in dem Buch „Wie wir feiern können“ erwachsen. Da laden der Theologe und der Musiker zu kurzen Andachten ein, durch die Zeiten des Tages und des Kirchenjahres zum „Ausruhen, Zuhören und Träumen“. (9)

 

Jörg Zinks letzte Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Dresden 2011 wurde per Video und Großleinwand vor mehr als 5000 Menschen übertragen. Er konnte nach einer schweren Operation nicht selbst am Kirchentag teilnehmen, der ihm zeitlebens so wichtig war, das er sagen konnte: „Der Kirchentag ist das Beste, was die Kirche den Menschen heute zu bieten hat.“ (10)

 

Insgesamt sind die letzten Jahrzehnte seines Lebens davon geprägt, dass er sich 1980 vorzeitig als württembergischer Pfarrer beurlauben lässt, um – unabhängig als freier Publizist – Zeit zum Schreiben zu finden.

 

Im Alter von 70 Jahren fasst Jörg Zink schließlich seine Lebenserinnerungen zusammen: „Sieh nach den Sternen – gib acht auf die Gassen“ (1992/ Neuausgabe 2008). Ihm liegt daran – sozusagen zwischen Himmel und Erde -, ein Bild von sich selbst zu gewinnen, sein Leben tiefer zu verstehen – was es denn eigentlich gewesen ist, das ihn im Laufe der Jahre geprägt hat. Dabei kommt er immer wieder auf seine Jugend während der Hitler-Zeit zurück, auf den Krieg und seine Gefangenschaft, auf den Zusammenbruch von weltgeschichtlichen Ausmaßen und den mühsamen Neuanfang und die Suche nach dem, was hält und trägt. Dabei verbindet er mit seinen Erinnerungen die Hoffnung, dass Menschen seines Alters und ebenso junge Leute nachvollziehen können, wie sich aus den Erfahrungen der Kindheit und Jugend Überzeugungen formen, wie Lebensziele sich bilden, die Sinn für das ganze Leben entwickeln und tragen. Am Ende dieser Autobiographie bekennt er: „Ich werde wirklich gern alt“; und zugleich scheut er sich nicht vor dem „Hinüberschauen“ über die Schwelle des Todes.

 

„Ich stelle mir vor, dass sich, wenn ich dann zurückblicken werde, vieles oder alles vor meinen Augen ändern wird. Ich werde sehen: Was Mühe war, ist in Wahrheit Gottes Güte gewesen. Was da Erfolg war oder Misserfolg, war in Wirklichkeit das stille, leise Werk Gottes durch meine Hände. Was ich am Ende bin, das hat Gott in den langen Jahren in mir bewirkt. Und ich nehme an, was da war und wurde, und danke dem, der mir mit seiner Liebe begegnet. Ich gebe mich in seine Hand zurück. Und das kann ich heute schon tun, wenn ich hinübersehe über die Grenze. Ich fühle, wie eine große, andere Wirklichkeit auf mich zuströmt. Ein Strom aus neuen Erfahrungen.“ (11)

 

 

 

Jörg Zink war von einem tiefen Vertrauen in Gottes gute Schöpfung getragen. Das spiegelt auch sein strahlendes Morgenlied „Dich rühmt der Morgen“, das er zu der vertrauten Melodie des alten Chorals „In dir ist Freude“ geschrieben hat. (12)

 

 

 

 

 

Dich rühmt der Morgen; leise, verborgen

singt die Schöpfung dir, Gott, ihr Lied.

Es will erklingen in allen Dingen

und in allem, was heut geschieht.

Du füllst mit Freude der Erde Weite,

gehst zum Geleite an unsrer Seite,

bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind.

Sonnen erfüllen dir deinen Willen;

sie gehn und preisen mit ihren Kreisen

der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind.

 

Du hast das Leben allen gegeben;

gib uns heute dein gutes Wort!

So geht dein Segen auf unsern Wegen,

bis die Sonne sinkt, mit uns fort.

Du bist der Anfang, dem wir vertrauen;

du bist das Ende, auf das wir schauen;

was immer kommen mag, du bist uns nah.

Wir aber gehen von dir gesehen,

in dir geborgen durch Nacht und Morgen

und singen ewig dir. Halleluja!

 

 

Ein Lied, das Mut macht zum Lob der Schöpfung, zum Lob Gottes. Da lässt sich das Leben feiern, an jedem neuen Tag.

 

 

 

 

 

Musik dieser Sendung:           
(1) Morgenlicht, Hans-Jürgen Hufeisen u.a., Gottesklang. Himmelsstark und erdennah

(2) Friedensgebet der Erde, Hans-Jürgen Hufeisen u.a., Eremitage. Die neue Flöte

(3) Himmelsbogen, Hans-Jürgen Hufeisen, eden. my own paradise

(4) Der Pilgerweg - Befiehl du deine Wege, Hans-Jürgen Hufeisen, Abendstern

(5) In dir ist Freude, Reiner Regel & Jan Keßler, SacreFleur bleu. Jazz trifft Kirche

(6) In dir ist Freude, Reiner Regel & Jan Keßler, SacreFleur bleu. Jazz trifft Kirche

 

O-Töne dieser Sendung:        
1) Gott, der Ursprung aller Dinge, Jörg Zink / Hans-Jürgen Hufeisen, Wie wir feiern können, CD 1 Track 9

2) Und so sollen gesegnet sein, Jörg Zink / Hans-Jürgen Hufeisen, Wie wir feiern können, CD 1 Track 13

 

 

Anmerkungen

 

  1. Vgl. die persönliche Internet-Seite der Familie Zink www.joergzink.de und des Gütersloher Verlagshauses www.joerg-zink.de .
  2. Vgl. neben der Autobiographie von Jörg Zink: Sieh nach den Sternen – gib acht auf die Gassen. Erinnerungen. Stuttgart 1992 besonders Matthias Morgenroth, Jörg Zink. Eine Biographie, Gütersloh 2013 (Im Anhang, S. 239ff: Wichtige Lebensstationen von Jörg Zink / Bücher in Auswahl).
  3. Diese „Mitarbeiterhilfe“ hat Zink 1978 unter dem entsprechenden Titel zu einem grundlegenden Buch ausgearbeitet.
  4. Vgl. die Einleitungen der genannten Ausgaben.
  5. So Morgenroth, S. 19.
  6. So Matthias Kamann in der Zeitung „Die Welt“ vom 21.11.2011.
  7. Der vollständige Text ist zugänglich über www.joerg-zink.de. An seinem 90. Geburtstag im November 2012 nimmt sein Sohn Christoph den Faden jener „letzten Tage der Schöpfung“ wieder auf und schenkt seinem Vater „Die ersten sieben Tage der neuen Zeit“, www.joergzink90.de .
  8. Vgl. die Einleitung von „Wie wir beten können“.
  9. So der Untertitel von gleichnamigem Buch und CD.
  10. Zit. bei Morgenroth, 193. Diese Bibelarbeit „Gottes Wort ist nahe deinem Mund und deinem Herzen“ ist abgedruckt in dem posthum veröffentlichten Band: Jörg Zink: Mut zum Leben. Biblische Einladungen. Freiburg i.B. 2017, 166ff.
  11. Vgl. Jörg Zink, Erinnerungen, S. 393-394.
  12. Der Liedtext ist erstmals abgedruckt in: Zink/ Hufeisen, Wie wir feiern können, Stuttgart 1992, S. 22-23