Wolle mer en roilosse?

Gedanken zur Woche

Gemeinfrei via pixabay.com (Golda Falk)

Über die Sendung

-

Die Gedanken zur Woche am 12.01.

Sendung zum Nachhören

Weitere Infos

Sendung zum Nachlesen

Wenn ich irgendwo in Deutschland erzähle, dass ich aus Mainz komme, sagen die meisten: „Ah, Mainz wie es singt und lacht!“ Es gibt wohl nichts, was diese Stadt bekannter gemacht hat, als ihre traditionsreiche Fastnachtssitzung. Seit über vierzig Jahren wird sie bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt. So auch heute Abend wieder.

Viele Politiker, die eben noch bei den Groko- Verhandlungen dabei waren, werden persönlich ins Mainzer Schloss kommen, um sich von den Büttenrednern vor knapp sieben Millionen Zuschauern durch den Kakao ziehen zu lassen. Politisch- literarische Fassenacht nennt sich das. Mit so manchem Hofnarr. „Drauße steht er“, ruft der Sitzungspräsident, „Wolle mer en eroilosse?“ – „Eroi mit em!“ schallt es dann im Saal.

 

Ja, herein mit ihm! Dem Humor! Ich glaube, wir haben ihn grade bitter nötig. Die Groko-Verhandlungen sind grade abgeschlossen und eine Regierung ist in Sicht. Aber es gibt noch viele Streitpunkte. Nur in einem sind sich alle einig. Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Viele Probleme müssen endlich angegangen werden. Wir brauchen Alternativen. Nicht nur für Deutschland, für alle. Weil Klimawandel, Migration und Wirtschaftsnot sich nun mal nicht an Ländergrenzen halten. Und wir brauchen Alternativen zu Hass und Verbitterung.

 

Humor ist so eine Alternative. Von Anfang an. Gott macht es uns vor. So steht im zweiten Psalm der Bibel: „Warum sind Völker in Aufruhr? …Könige der Erde marschieren auf, Würdenträger halten Kriegsrat gegen Gott….Aber Gott im Himmel lacht und spottet über sie.“

Gott lacht über die, die sich selber für Götter halten. Die nur ihr Ego groß machen und nicht den Armen und Benachteiligten dienen. Über die lacht Gott. Für mich eine schöne Vorstellung. Gott sitzt mit in der Bütt, wenn Lügen und Machtmissbrauch entlarvt und lächerlich gemacht werden. Gott ist auch mit dabei, wenn alltägliche Konflikte entschärft werden. Mit Humor. Die Mainzer haben dafür einen besonderen Sinn entwickelt.

 

Als der Pianist Joja Wendt zum ersten Mal nach Mainz kam, hat er das erlebt. Da ist er nämlich erst mal in einem Stau gelandet. Als er langsam zur Ampel rollt, springt diese auf rot um. Während er wartet, kramt er noch schnell mal seine Adresse aus der Tasche. Als er wieder hochschaut, springt die Ampel grade von gelb wieder zurück auf rot. Kurz darauf klopft es an seine Autoscheibe. Er kurbelt die Scheibe runter und macht sich schon auf das Donnerwetter seines Hintermannes gefasst. Aber der, ein älterer Herr, grinst ihn an und sagt: „Na, junger Monn, is do kee Fabb für Sie debei?“

 

Humor macht frei- und er steht in einer langen Tradition. Schon die Propheten des Alten Testamentes wussten das. Und die Narren bei Hofe. Aber was macht Humor aus? Und was unterscheidet ihn von Sarkasmus und Häme?

 

Eigentlich ist es ganz einfach. Wenn man zwei Regeln beachtet.

Erstens: Humor lacht immer von unten nach oben. Er lacht also über die Vorgesetzten, die Mächtigen, die das Sagen haben. Humor lacht nie über Untergebene. Nie über das Verhalten von sozial Schwachen, Menschen mit Handicap oder gar Kinder.

 

Und zweitens: Humor lacht nicht über Personen, sondern über das, was Personen tun. Deshalb hat ein Witz über das Aussehen von Frau Macron oder über das Stottern eines AfD Politikers nichts mit Humor zu tun. Denn Humor respektiert die Würde der Person.

 

Beim Humor geht es darum, falsches Verhalten zu entlarven, anmaßendes Machtgehabe lächerlich zu machen. Humor will Türen öffnen zur Freiheit des Geistes. Damit man die Dinge auch mal von einer anderen Seite sehen und angehen kann. Das macht fröhlich und gelassen. Auch wenn man bisweilen aus der Haut fahren könnte. Aber Humor ergibt sich nicht von allein. Man muss ihn schon wollen. Deshalb fragt der Sitzungspräsident auch heute Abend wieder: „Wolle mer en eroilosse?“

 

Tja, wollen wir ihn reinlassen, den Humor? Auch wenn Fastnacht und Karneval vorbei ist? Wenn Sie mit mir darüber reden wollen, können Sie mich in der nächsten Stunde erreichen unter der Nummer 030 325 321 344; ich wiederhole: 030 (für Berlin) 325 321 344. Oder Sie diskutieren mit auf Facebook unter „deutschlandradio.evangelisch“.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

Sendungen

Nächste Sendung
Gedanken zur Woche
23.02.2018 06:35