Feierspaß

Pfarrer Dr. Wolfgang Beck

Das sind schwere Betonklötze, riesige Steine, die als Sperren in allen deutschen Städten bereitstehen. Sie werden bei großen Veranstaltungen und Feiern auf Straßen und Wegen platziert. Neben der Reeperbahn, am Spielbudenplatz liegen sie auch. Die Idee ist nicht schlecht, damit große Veranstaltungen abzusichern. Aber, gelingt das auch? Vielleicht, Vielleicht sollen sie ja vor allem das Gefühl von Sicherheit bieten und uns so gut wie möglich beruhigen. Große Steine, um zu beruhigen und Ängste abzubauen?

Ein großer Stein, fast wie ein Fels. Auch bei mir weckt der eher zwiespältige Gefühle. Jesus spricht in den Evangelien vom Stein als einem positiven Bild: ein Eckstein des Hauses.

Und wer sein Haus nicht auf Sand, sondern auf Stein gebaut hat, ist auf der sicheren Seite. Wie gut. Für uns Christen steht der stabile Fels für Jesus. Auf den lässt sich bauen.

Aber dahinter steht ja die Erfahrung: Ziemlich häufig wird „auf Sand“ gebaut. Das Richtige als verlässlichen Stein zu identifizieren und darauf zu bauen und sich also darauf zu verlassen, das gelingt nicht so leicht.

Die massiven Betonklötze sind deshalb wie eine in den Weg gestellte, etwas provokative Frage danach, worauf ich eigentlich vertraue.

Heute findet hier in Hamburg die große ESC- Party statt. Und wie immer bei solchen Veranstaltungen kommen dann auch die Beton-Klötze zum Einsatz. Manche denken dabei vielleicht an das Attentat am Berliner Weihnachtsmarkt oder an die permanenten Bedrohungen.

Der ESC ist eine der wenigen Veranstaltungen, bei denen Menschen über Grenzen und Konflikte hinweg gemeinsam feiern. Musik verbindet und ist eine gemeinsame Sprache -  über Grenzen und Anschauungen hinweg. Meistens gelingt das beeindruckend gut. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine lässt sich in diesem Jahr nicht völlig draußen halten. Das ist bitter.

Der ESC ist natürlich nicht nur hier in Hamburg, sondern auch bei den Menschen vor den Fernsehern eine große Party – bis nach Australien.

Manchen erscheint das vielleicht naiv: ansingen und feiern gegen Konflikte, gegen die Gefahr von Gewalt und Anschlägen. Stimmt, so einfach geht das meist nicht. Aber zum normalen Leben gehört, dass ausgelassen gefeiert werden kann – trotz allem, was immer wieder dagegen spricht. Jede Party ist auch ein Statement, auch der ESC, ein persönliches und ein politisches! Und die Party zwischen den Betonklötzen ist immer auch ein wenig Party gegen Fanatiker, die Betonklötze nötig machen. Und gerade deshalb feiern wir: Viel Spaß!

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