Was macht das Leben lebenswert?

Morgenandacht
Was macht das Leben lebenswert?
18.05.2019 - 06:35
21.03.2019
Autorin des Textes: Dagmar Köhring
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Herrjeh, ich habe im Lotto gewonnen. Das ist der Hammer! Eine halbe Million! Dabei bräuchte ich das Geld gar nicht. Aber mehr ist immer besser. Das ist meine Erfahrung als erfolgreiche Geschäftsfrau. 14-Stunden Tag, rund um die Uhr erreichbar, da ist keine Zeit für etwas anderes.

 

Na ja, anstrengend ist es schon. Aber ich will ja was auf die Seite schaffen für später. Wenn ich mich irgendwann zur Ruhe setze, dann will ich reisen. China, Australien, Neuseeland – ja und natürlich Kreuzfahrten! Einfach die Seele baumeln lassen. Aber dafür braucht man natürlich viel Geld. Und das will gut verwaltet werden. Aktienkäufe, Staatsanleihen, Immobilien – na ja, ich investiere auch hier und da. Ein bisschen Spielgeld habe ich auch, für Risikotermingeschäfte. Man muss ja sehen, wo man bleibt. Mein Geld soll arbeiten.

 

O.k., manche Leute sagen, Geld kann nicht arbeiten. Das sind immer Menschen, die arbeiten. Am anderen Ende einer guten Rendite bluten Kinder! Das kann nur von so verweichlichten Weltverbesserern komme. Nur zu faul zum Arbeiten, finde ich. – Au, schon wieder dieses Stechen in der Brust. Ich muss doch irgendwann mal zum Arzt gehen...

 

Aber jetzt habe ich dafür keine Zeit. Ich muss ja meinen Gewinn anlegen. Mal sehen, was mache ich damit? Eine neue Immobilie? Mit Mieten in guten Wohngegenden lässt sich im Moment unheimlich viel Geld verdienen. Klar, man muss sich natürlich auch drum kümmern. Manche wollen nicht zahlen. Jammern, die Mieten seien zu hoch. Dann musst Du wieder klagen, pfänden... Darum kümmere ich mich an den Wochenenden.

 

Au, schon wieder ein Stich! Man, man – ich bin doch erst Mitte 50. Sollte wohl mal wieder Sport treiben. Aber wann? Zeit ist schließlich Geld. Wenn ich dann im Ruhestand bin, dann gönne ich mir was. Das habe ich mir fest vorgenommen.

 

Klar, ich könnte von dem Gewinn natürlich auch mal was spenden. An Greenpeace oder Brot für die Welt oder so. „Save the Planet“ Aber andererseits: Kinder habe ich nicht – hatte ich nie Zeit zu – wozu soll ich dann den Planeten retten. Na ja, wenn ich dann in Rente bin, dann spende ich auch mal was. Ich bin ja kein Unmensch!

Ah, da kommt der Börsenbericht. Wo lege ich denn meine gewonnene halbe Million am besten an? Wo vermehrt sie sich am besten?

 

Aua. So geht es nicht weiter. Ich muss echt zum Arzt. Die Sekretärin soll mal einen Termin ausmachen. Ich schlafe auch so schlecht. Und gestern, da habe ich was ganz Krasses geträumt! Da saß ich im Traum so gemütlich vor meinem Computer, um die letzten Börsengeschäfte zu tätigen, und plötzlich höre ich eine Stimme, die ruft: „Du Närrin! Wem soll das alles mal gehören, wenn Du tot bist?“

 

Unheimlich. Ich bin mit Herzrasen aufgewacht. Ich muss doch irgendwann mal mein Testament machen. Na ja, wenn dann nach all meinen Reisen von dem ganzen Geld noch was übrig ist....

 

Hoppla! Das hat weh getan. Mein Arm! Und mir wird ganz heiß. Wo wollte ich den Lottogewinn doch anlegen? Mir ist schwindelig. Und schlecht! Mir wird schwarz vor Augen. Lieber Gott, was ist das? War‘s das jetzt? Ist das dein Ernst? Ist das mein Ende? Ich verrecke hier ganz allein? All meine Mühen für die Katz‘? Warum fällt mir jetzt die alte Frau ein, die ich letzte Woche aus der Wohnung geworfen habe? Meine Sinne schwinden. Was kommt jetzt? Kommt noch etwas? Warum hilft mir keiner...

 

Diese Geschichte hat Jesus in der Bibel erzählt, im 12. Kapitel des Lukasevangeliums. Natürlich nicht genau so, sondern auf dem Hintergrund der Zeit, in der er lebte. Er wollte damit sagen, dass die wirklich wichtigen Dinge im Leben nicht auf dem Bankkonto zu finden sind. Und dass wir unser Leben heute leben müssen – denn was morgen sein wird, das wissen wir nicht.

 

(Lukas 12, 16-21)

 

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

 

21.03.2019
Autorin des Textes: Dagmar Köhring