Konfis

Wort zum Tage
Konfis
mit Kathrin Oxen
24.09.2021 - 06:20
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Zu den Privilegien meines Berufes als Pfarrerin gehört, dass ich mir viel Lebenserfahrung bei anderen Menschen borgen kann. Bei Beerdigungsgesprächen sind es die vielen Rückblicke auf gelebtes Leben, bei Trauungen und Taufen der Zauber der Anfänge und die Hoffnung, die sich mit ihnen verbindet. Sehr gerne gebe ich aber auch Konfirmandenunterricht. Die wöchentliche Begegnung mit Jugendlichen zwischen 12 und 14 Jahren in Schulklassenstärke hat mich perfekt auf den Umgang mit Pubertierenden vorbereitet. Lange, bevor meine eigenen Kinder dieses Stadium erreicht hatten. Und dafür zu sorgen, dass Tischsitten und Schlafenszeiten eingehalten werden und endlich mal das Handy weggelegt, das lernt man nirgendwo gründlicher als auf Konfirmandenfreizeiten.

Ich mag Konfis, wie wir sie nicht ohne Zuneigung nennen. Sie haben in der Zeit der Pandemie so viele Einbußen gehabt. Es bringt nichts, in einen Wettbewerb darüber zu treten, wer in der Pandemie am meisten ertragen musste. Aber unsere Konfis haben keine schöne Konfirmandenzeit gehabt. Gesehen haben sie sich nur auf Kacheln im Zoom. Die Freizeiten sind ausgefallen und damit natürlich nicht nur das gemeinsame Arbeiten, sondern auch alles andere: Gemeinschaft und Spaß miteinander haben, die kurzen Nächte und der erste Schwarm. Eine Konfirmation, die ohne Einschränkungen bei der Personenanzahl in einem schönen festlichen Rahmen gefeiert werden kann. Die Konfizeit, das sind eben doch andere Jahre als die von Erwachsenen. Und das alles gibt ihnen niemand zurück, genauso wenig, wie den anderen Jugendlichen ihre Entlassungsfeier, die Abschlussfahrt oder den Abiball.

Wir konnten uns bei unseren jetzigen Konfis schlecht für die Pandemie entschuldigen. Aber sie haben unser Mitgefühl mit ihnen gespürt. Als wir uns zum Abschluss noch mal einen Tag treffen konnten, haben sie so vieles genannt, was sie trotz allem schön fanden und was sie begeistert hat. Das war eine ganze Menge und viel mehr, als ich es mit meiner eher skeptischen Haltung gesehen hätte.

Und ich habe gedacht: Das ist etwas, was die Konfis mir beibringen können, ihre Lebenserfahrung als Jugendliche in der Pandemie. Ihr Blick nach vorn statt zurück. Ihr Blick auf das, was möglich war, anstatt auf das, was gefehlt hat. Wie gut sie untereinander vernetzt sind und dass sie mit ihren Handys nichts anderes tun, als ständig miteinander in Kontakt zu sein. Das leih ich mir von ihnen. „Kinder sind eine Gabe des Herrn“ steht in der Bibel. Und Konfis auch.

Es gilt das gesprochene Wort.