Der brennende Dornbusch

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Alles wirkliche Leben ist Begegnung, hat der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber gesagt. Das gilt umso mehr, wenn Menschen Gott begegnen. Wie zum Beispiel der Prophet Moses, der mit Gottes Hilfe die Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei befreite.

 

Niemand hätte ihm das zugetraut, ursprünglich war Moses ein Findelkind. Mit viel Glück durfte er sogar am Hof des Pharaos aufwachsen. Aber sein Jähzorn macht alle hochfliegenden Pläne zunichte: Als er sieht ,wie ein Ägypter einen israelitischen Sklaven töten, erschlägt er ihn. Moses muss fliehen. Im Nachbarland Midian hält er sich als Schafhirte über Wasser.

 

Eines Tages treibt Moses seine Tiere in die Steppe. Dort sieht er etwas Seltsames: Einen Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt. Neugierig tritt er näher.  Aber eine Stimme warnt ihn, noch weiter zu gehen: „Der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.“ Moses zieht seine Sandalen aus. Dann spricht die Stimme Gottes: „Ich bin der Gott Deiner Väter. Ich habe das Elend meines Volkes gesehen und ich kenne seine Schmerzen.“ Moses verhüllt sein Gesicht. Er fürchtet sich. Doch er erhält den Auftrag, vor den Pharao zu treten und im Namen seines Gottes die Israeliten aus Ägypten heraus zu führen.

 

Moses ist alles andere als begeistert. Da gibt es doch sicher Leute, die viel besser geeignet sind als er. Fünfmal versucht er, Gott umzustimmen, bis dieser verspricht: „Ich werde mit Dir sein.“ Moses macht noch einen letzten Versuch: Wie soll er denn seinen Brüdern und Schwestern Gott nahebringen können? Da verrät Gott sogar seinen Namen: „Ich bin da und ich werde da sein.“ Ein Name, der genauso viel preisgibt  wie er verbirgt. Klar ist: Dieser Gott ist den Menschen nahe, was auch immer sein wird. Und er führt in die Freiheit.

 

So wird der armselige Dornbusch, an dem sich Moses und Gott in der Wüste begegnen, doppelt zum Symbol. Gott steigt ganz tief herab, um Menschen nahe zu sein. Und so wie der Dornbusch zwar brennt, aber nicht verbrennt, wird dieser Gott die Israeliten in ihrer elenden Lage nicht zugrunde gehen lassen.

 

Zum Schluss überwindet Moses seine Zweifel und stellt sich seinem Auftrag: „Hier bin ich.“

 

Die Dichterin Elizabeth Barret-Browning beschreibt diese Begegnung so:

 

Die Erde ist mit Himmel vollgepackt,
und jeder gewöhnliche Busch brennt mit Gott –
Aber nur der, der es sieht, zieht die Schuhe aus.
Die anderen sitzen herum und pflücken Brombeeren.

(Elisabeth Barret-Browning: The poetical works, New York 1910)

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