Seht den Menschen!

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„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, hat der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber gesagt. Echte Begegnungen verändern das Leben. Manchmal sogar die Welt, wenn gewohnte Sichtweisen durchbrochen werden. Das Ringen um die Menschenwürde hat hier seinen Ursprung.

 

Ein Beispiel dafür ist Begegnung zwischen dem gefangenen Jesus und Pontius Pilatus. Das Johannesevangelium erzählt, wie Jesus von der jüdischen Obrigkeit gefangen genommen und an Pontius Pilatus überstellt wurde, um ihn zum Tode zu verurteilen. Denn das durfte nur er als römischer Statthalter in Jerusalem. Die Anklage lautete: Jesus hat sich als König der Juden ausgegeben. Aber Pilatus zögert mit dem Urteil. Ihm scheint die Anklage fragwürdig. Zunächst lässt er Jesus auspeitschen, ihm eine Dornenkrone aufsetzen und einen pseudoköniglichen Mantel umhängen.

 

So gemartert und gedemütigt präsentiert er ihn der Öffentlichkeit. Ein Narrenkönig. Vielleicht würde das reichen, um ein Todesurteil zu vermeiden? Doch Hohn und offener Hass schlagen ihm entgegen. Was Pilatus der aufgehetzten Menge antwortet, ist die vermutlich kürzeste Predigt der Welt. „Seht – welch ein Mensch!“ Ecce homo!

 

Was liegt alles in diesen beiden Worten: Seht – was Menschen ihren Mitmenschen antun können! Was geschieht, wenn nicht mehr Wert und Würde eines Menschen das Handeln bestimmen! Die Geschundenen und Gequälten haben sich zu allen Zeiten darin wiedererkannt. Ecce homo. Diese beiden Worte sind Mahnung und Warnung zugleich: Die Menschenwürde ist unantastbar. Wenigstens prinzipiell ist das inzwischen weltweit anerkannt und Staaten müssen sich daran messen lassen, wenn sie nach innen und außen ihre Gewalt ausüben.

 

 Seht – welch ein Mensch! Christen hören diese Worte aber noch etwas anders. Für sie ist Jesus mehr als ein Opfer von Gewalt und Willkür. Er ist ein Mensch, der sein Leben freiwillig hingibt um der Liebe willen: „Es ist vollbracht“, lauten im Johannesevangelium die letzten Worte Jesu. Noch im Sterben bleibt er Gottes Auftrag für die Menschen treu. Weit geöffnet sind die Arme Jesu, im Leben, am Kreuz und darüber hinaus.

Dieses Bild tragen die Menschen in sich, die ihm begegnet sind. Und sie geben es weiter. Verbunden mit der Botschaft: Seht – welch ein Mensch!

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