Matthias

Wort zum Tage
Matthias
Geschichten von Obdachlosen
19.01.2019 06:20
06.12.2018
Barbara Manterfeld-Wormit
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Matthias ist 51 Jahre und derzeit ohne Wohnung. Er lebt in einem Übergangswohnheim der Berliner Stadtmission. Als ich ihn treffe, ist er glücklich. Er hat nachher einen Termin beim Vermieter. Vielleicht klappt es ja diesmal mit der Wohnung. Gerade arbeitet Matthias als Kassierer in einem Supermarkt. Eigentlich ist er Kirchenmusiker. Ein Künstler, der in seiner eigenen Welt lebt, bis es eines Tages an der Tür klingelt.

Anfang des Jahres steht also die Polizei und Möbelspedition und Gerichtsvollzieherin früh in der Wohnung und wir müssen zwangsräumen. Meine Frau war schwer psychisch krank und konnte das so verheimlichen, dass weder meine Tochter noch ich mitgekriegt haben, was da eigentlich Sache ist. Ich hab das dann erst an diesem Tage gemerkt, dass eben Monate lang keine Miete gezahlt wurde.

 

Seit diesem Tag lebt die Familie an verschiedenen Orten…

Meine Frau musste in die Psychiatrie. Ich war ja nun auch n bisschen neben der Spur durch diese ganzen Vorfälle. Zum Glück hat das eben geklappt, dass ich in dieser Berliner Stadtmission gelandet bin und eben gut betreut. Nun suchen wir Wohnung für mich.

 

Den Kontakt zu seinem ehemaligen Arbeitsplatz hat er nie ganz verloren:

Ich bin ein sehr gläubiger Mensch… und hier war eben sofort auch ganz viel Hilfe da für mich aus der Kirchengemeinde.

 

Gibt es für ihn Lehren aus der Vergangenheit?

Also ich würde mehr Eigeninitiative übernehmen. Da ist klar, dass ich hätte eben von Anfang an da n bisschen mitmachen sollen, dann wäre es nicht passiert.

 

Sein altes Leben gibt es für Matthias nicht mehr. Er hofft, dass er und seine Frau eines Tages wieder zusammen kommen. Und er eine eigene Wohnung findet. Sein Leben wieder auf die Reihe kriegt. Was gibt ihm Kraft?

Die Musik ist ganz wichtig. In meinem gesamten Leben ist sie mein Haltepunkt auch mit. Das ist ein ganz toller Ruhepunkt neben stressigem Job und allem möglichen schlimmen Erfahrungen hab ich da immer meinen Ruhe- und Haltepunkt durch die Musik. Ab und zu kann ich eben auch noch in meine alte Gemeinde noch gehen, habe dort immer noch die Schlüssel und darf also an die Orgel oder an den tollen Flügel und bin dann in einer schönen anderen Welt für mich mit der Musik. Das ist herrlich.

 

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

06.12.2018
Barbara Manterfeld-Wormit