"Himmlischer Sonntag"

"Himmlischer Sonntag"
mit Dechant Benedikt Welter aus Saarbrücken
04.07.2021 - 00:15

Einen guten späten Abend, verehrte Damen und Herren.

Kleines Quiz zu Beginn: Ohne ihn gäbe es diese Sendung nicht; ohne ihn müssten wir auf vieles verzichten, was ihn im Namen trägt. Wie etwa so schöne Dinge die mit  „-braten“ enden oder „-staat“ oder „-spaziergang“. Und Zuschauerinnen und Zuschauer in Österreich wissen: er verleiht dem Gugelhupf seine eigentliche Bestimmung. Ja? Genau: der Sonntag! Ohne ihn kein „Wort zum“, kein Sonntagsbraten, kein Sonntagsstaat, kein Sonntagsspaziergang und: „was den Sonntag erst zum Sonntag macht, das ist der Gugelhupf“, singt der österreichische Schauspieler und Kabarettist Helmut Qualtinger.

Der Sonntag begeht in diesen Tagen sein tausendsiebenhundertjähriges Jubiläum. Genau am 2. Juli 321 hat der römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum staatlich geschützten Feiertag gemacht: Tag der Sonne. Arbeitsfrei, bis auf systemrelevante; kein Shopping, eingeschränkte Fahrpläne – und, wichtig: Kirchenglocken läuten zum öffentlichen Gottesdienst meist am Vormittag. Konstantin hat den Sonntag zum staatlich geschützten Feiertag gemacht. Damit die Christenmenschen ohne große organisatorische Anstrengungen den Gottesdienst zur wöchentlichen Osterfeier besuchen können. Denn nach christlicher Zählweise ist der Sonntag der erste Tag der Woche. Und das trifft mit dem zweiten Tausendsiebenhundertjahre-Jubiläum zusammen; auch dafür steht Kaiser Konstantin: Siebzehnhundert Jahre jüdisches Leben in Deutschland nämlich.

Denn ohne Judentum kein Sonntag. Die Sieben-Tage-Woche aus dem biblischen Schöpfungs-Bericht ist eines der großen Geschenke des Judentums an die Welt. Nach jüdischer Zählung ist der siebte Tag der Sabbat, der Samstag; dem folgt als erster Tag der Sonntag, den die Christen „Tag des Herrn“ nennen, Domenica. An diesem Tag haben sich laut dem biblischen Bericht frühmorgens ein paar Frauen auf den Weg gemacht, um ein Grab aufzusuchen und dort zu trauern. Getroffen haben sie einen Engel und der sagt ihnen: „Jesus ist nicht hier. Er lebt.“ Ostern.

Jede Woche fängt – christlich gesehen – mit einem Mini-Ostern an. Auferstehung und Hoffnung, ehe es mit Mühsal und Ärger und dem alltäglichen Wahnsinn wieder losgeht. Als Konstantin den Sonntag staatlich geschützt hatte, haben Christen ihr Ostern zu ihrem Sabbat gemacht. „Alles nur geklaut.“, hätten „die Prinzen“ vielleicht gesungen.

Denn die frühen Christen haben die religiösen Schutzbestimmungen der jüdischen Bibel zum Sabbat genommen und auf ihren Sonntag übertragen: So wird aus dem Mini-Ostertag zusätzlich ein gesellschaftlicher Ruhetag. Sonntagsruhe. Mein Favorit.

Pfiffig, dass die frühen Christen nicht nur den Sonntag weiterhin als „erster Tag der Woche“ zählen, sondern den Sonntag auch als den „achten Tag“ beschreiben. Wie jetzt – acht Tage in der Siebentage-Woche? Jap. Da kommt der Himmel mit ins Spiel. Der Sonntag gibt unseren irdischen sieben Plagetagen einen himmlischen Schub, gewissermaßen ein Himmels-Tuning: Da verbinden sich Himmel und Erde; im Dahinfließen der Zeit lässt uns der Sonntag himmlische Ewigkeit schmecken So was wie ein göttlicher Gugelhupf.

Vielleicht gönnen Sie sich ja morgen zu Ehren seines 1700ten Geburtstags sogar ein Stück Extratorte. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall einen ruhigen und feierlichen gesegneten Sonntag.